1LIVE – DOMIANTE KRITIK

Gestern kam ich spät nach Hause und schaltete trotzig noch meinen Fernsehapparat ein, vor dem ich dann leider auch kurze Zeit später einschlief. Vorher hörte ich noch zwei Anrufer, die mit Domian in der gleichnamigen Sendung Domian des Senders WDR unter der Marke 1LIVE sprachen.

Die erste Anruferin war in ihrer “Beichte” schon weit fortgeschritten und so bekam ich (zum Glück) nur sehr wenig von der traurigen Geschichte ihres gewalttätigen Mannes mit, der die Anruferin seit Jahren misshandelte. Die Frau erzählte, dass sie nicht Lesen und Schreiben könne, weil sie während ihrer Schulzeit bereits von ihrem Vater arg misshandelt worden sei und sich deshalb nicht auf die Aufgaben in der Schule konzentrieren konnte. Dass sich eine derart erniedrigte Frau nicht von ihrem Mann lösen kann, weil u.a. ihre beiden liebgewonnen Hunde nicht mit ins Frauenhaus dürfen, setzt der Geschichte noch ein Häubchen mehr an Absurdität auf.

An dieser Stelle muss ich sofort – zur Relativierung des Weltschmerzes – den Humor eines Kellners aus dem Bierlokals Cölner Hofbräuhaus Früh hervorholen, der einst auf die Bestellung einer Frau, die in einer biertrinkenden Männerrunde nach einem Kakao verlangte, erwiderte©:

“Wir sind hier nicht im Frauenhaus, auch wenn das Wort wie ein Brauhaus klingt…”

Der zweite Anrufer, den ich noch im Halbschlaf mitbekam, war 52 Jahre alt. Er kritisierte Domain vorsichtig und mit einer sehr liebevollen und sanften Art. Er hatte eine ältere Sendung verfolgt und war mit der damaligen Reaktion Domains nicht einverstanden bzw. hätte sich deutlichere Worte Domians gewünscht. Der frühere Anrufer, der Gegenstand der gestrigen Kritik war, hatte sich an Domian mit der Frage gewandt, ob es “korrekt” sei, den Kontakt zu einem wegen Kindesmissbrauchs seiner eigenen Tochter verurteilten Freundes aufrecht zu erhalten. Domain hatte damals wohl ziemlich deutlich gemacht und er wiederholte seine Einstellung heute Morgen, dass er es sich nicht vorstellen könne, den Kontakt zu einem verurteilten “Kinderficker” (dieses Wort gebrauchte Domian natürlich nicht und ich benutze es nur, um zu polarisieren) zu erhalten.

Der Anrufer von gestern zeigte Verständnis für Domains Einstellung, machte aber deutlich, dass jeder Mensch ein Recht auf Vergebung hat.

Recht hat er.

Denn jeder Mensch, der Straftaten begangen hat, hat ein Recht auf seine sog. Resozialisierung. Allerdings ist dieses Recht für viele Menschen (einschließlich mir selbst) nur schwer vorstellbar. Oder kann sich jemand vorstellen, bei McDonalds gemeinsam mit Adolf Hitler an einem Tisch zu sitzen, und friedlich einen Ich-Liebe-Es-Hamburger zu futtern, für den Fall, dass die Geschichte Hitlers anders und nicht mit Selbstmord im Bunker ausgegangen wäre.

Liebe, Liebe… wir brauchen alle Liebe. Aber warum verteilen fast alle Menschen weniger Liebe als sie selbst in Anspruch nehmen wollen?

Respekt an dieser Stelle für Domian, der den Leuten allein schon deshalb hilft, indem er meist aufmerksam zuhört und ihnen ein Sprachrohr verleiht! Ich kenne die Sendung noch aus ihren Anfangszeiten als diese während meiner Studienzeit in Köln “nur” im Radio 1Live ausgestrahlt wurde.

Foto © Annika Fußwinkel

EvernoteAmazon Wish ListYahoo BookmarksHotmailDeliciousGoogle ReaderWordPressGoogle BookmarksShare