Der Irokese war da – Club zu

Nirgends in Deutschland gibt es so viele illegale Clubs wie in Berlin. Berliner Veranstalter, die oftmals kein Geld verdienen wollen und froh sind, wenn ein paar Euros am Ende der Nacht in der eigenen Tasche landen, mieten mit legalen Mietverträgen Räume an, installieren eine Musikanlage und laden DJs und Produzenten ein, die einem eingeweihten Kreis ihre neuesten Platten oder Tracks vorspielen. Die Termine der Parties in den illegalen Clubs werden nicht in den Stadtmagazinen, Prinz, Zitty oder Tip angekündigt, sondern via Foren im Internet verbreitet oder per eMail bekannt gegeben. Das Problem an den illegalen Clubs ist, dass diese meist (noch) nicht über entsprechende Genehmigungen verfügen. Voraussetzung für eine Tanzveranstaltung ist aber eine entsprechende Genehmigung durch das Ordnungsamt. Wer Getränke ausschenken will, benötigt eine Ausschankgenehmigung. Die erforderlichen Genehmigungen erhält nur, wer akribisch die Vorgaben der Behörde erfüllt. Und das können sich die meisten – ideologisch ausgerichteten – Veranstalter nicht leisten, weil Umbauten von Toiletten, Wänden, Belüftung etc. viel Geld kosten.

Das weiß der Irokese, mit bürgerlichen Namen Michael Schulz, nur zu gut. Der Irokese ging in den 90er Jahren und heute noch gern in Clubs. Er arbeitet mittlerweile bei der Stadtverwaltung Berlin-Mitte. Der Irokese sagte gegenüber Zitty:Im Planet war ich früher, im Tresor, in jedem WMF, aber die Orte müssen sicher sein. Oder was sagen sie einer Mutter, wenn ihre 18-jährige Tochter in einem Keller verschüttet wurde?” Doch jetzt checkt der Irokese im Auftrag der Stadtveraltung, ob sich die Betreiber an die Vorgaben der Behörde halten. Wenn der Irokese im Szeneoutfit auf die Party kommt, dann ist es für die Betreiber meist schon zu spät. Denn wenn dem Irokesen etwas auffällt, ruft er noch aus dem Club seine Kollegen an, die den Laden kurzerhand wegen fehlender Genehmigungen schließen.

Schießt der Irokese nicht über das Ziel hinaus? Also, die Mutter, die ihr Kind in Deutschland tot aus einem eingestürzten Club abholen musste, muss erst noch geboren werden. Einstürzende Neu- oder Altbauten mit einer laufenden Party sind mir unbekannt. Man sollte sich vor Augen halten, dass die (Musik-)Kultur in Deutschland Räume im Underground benötigt, um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können.

Und nach einigen Aktionen des Irokesen ist es nicht ratsam, mit einer Irokesen-Frisur auf einer illegalen Party in Berlin zu erscheinen.

EvernoteAmazon Wish ListYahoo BookmarksHotmailDeliciousGoogle ReaderWordPressGoogle BookmarksShare