
Auf der Rückreise von Hamburg nach Berlin anlässlich eines Gerichtstermins in einer markenrechtlichen Sache beim Hamburger Landgericht, die glücklicherweise mit einem Vergleich endete, machte ich heute die Bekanntschaft mit dem stadtbekannten, vielleicht deutschlandweit bekannten Berber Wilfried Hering vom Niederrhein. Das kam so: Ich suchte vor der Abfahrt auf die Schnelle einen Kiosk in Bahnhofsnähe, der Bier verkauft. Was liegt näher, als einen biertrinkenden Berber nach einer günstigem und nahe gelegenen Bierhändler zu fragen. Kurz entschlossen wandte ich mich an den nächsten und besten, den ich finden konnte: Wilfried Hering. Ein mir bis dato Unbekannter. Er wusste auch sogleich, wohin er mich schicken würde. Den Eingang der U2 sollte ich aufsuchen und mich sogleich rechts halten.
Er setzte noch nach, dass ich ihm ein Bier mitbringen solle. Halb auf dem Weg bejahte ich natürlich. Sein Tipp war gut. Am Ziel angekommen kaufte ich einige Flaschen Bier und kehrte zurück zu meinem Wegweiser. Er meinte schon aus der Ferne, dass Berliner immer zurückkommen würden. Ich gab ihm das Bier und gesellte mich dann noch für die Zeit, die mir blieb, zu ihm. Und wir bildeten ein verrücktes Paar. Er im gut gestylten Berberlook mit Puma-Schuhen – ich im Designeranzug mit Laptoptasche. Beide mit Bier. Prima, dachte ich mir. Erst mal ein Zug aus der Bierflasche bevor mein Zug nach Berlin fährt.

Schnell merkte ich, dass ich es nicht mit einem Dummkopf zu tun habe. Als ich ihn nach seinem Namen fragte, zeigte er mir stolz einen Ausschnitt aus der BILD-Zeitung, den ich sogleich ablichtete. 61 Jahre war der Mann bereits alt. Dafür hat er sich aber gut gehalten, dachte ich mir. Der Mann wurde mir von Sekunde zu Sekunde sympathischer. Das sei aber nur ein kleines Portrait. Ganzseitig sei er bereits in der BILD-Zeitung erschienen. Er erzählte mir in den wenigen Minuten noch so Einiges. Ein guter Freund von ihm, mit dem er früher immer Flaschen gesammelt habe, wohne jetzt in der Elbchaussee und sei fest unter Haube. Er dürfe nunmehr keine Flaschen mehr mit ihm sammeln, was ihn traurig stimmte. Auch sollte er mal zu einer Fortbildung, was ihn aber nicht weiter gebracht habe, da er sich mit den Lehrern mindestens auf dem gleichen Niveau bewegt habe. Als es in der Fortbildung eines Tages um Bruchrechnung ging, habe er eine Torte mitgebracht, diese zerteilt und beim Essen der Torte versucht, zu erklären, was es bedeutet, wenn man teilt. Das habe ich in meiner 13-jährigen Schulzeit nicht erlebt, überlegte ich.

Die Krönung war seine Anekdote mit Dieter Kürten, den er genauso kannte, wie Roberto Blanko, eine Berliner Schauspielerin und viele weitere, deren Namen ich mir nicht merken konnte. Mit Dieter Kürten habe er auch mal ein wenig gezecht. Der Sportschau Moderator habe er mit seinem Bodyguard getroffen und gemeinsam wären sie dann in einem Mercedes davon gefahren, um ein Schlückchen in Ehren zu genießen.
Nachdem ich noch ein paar Fotos von Wilfried gemacht hatte, fragte ich ihn, wohin ich die Bilder schicken könne, ob er möglicherweise eine eMail-Adresse habe. Wie es der Zufall so wollte, überreichte er mir die Visitenkarte seiner Anwältin. Der Kreis war damit für mich geschlossen. Ich notierte mir die eMail der Hamburger Rechtsanwältin und war um ein kurzes, aber sehr intensives Erlebnis bereichert. Zuletzt gab er mir noch seine Lebensweisheit mit, dass der größte Feind der Berber der Mensch sei. Vor der Natur könne er sich ja gut schützen.
Und wenn mein Zug nicht mit mir abgefahren wäre, dann würde ich morgen wahrscheinlich mit Wilfried Flaschen sammeln…










































Sehr geehrter Herr Sevriens,
ich finde es sehr gut was Sie dort gemacht haben, daß zeigt, daß Sie keine “Scheuklappen” wie viele andere Menschen haben. Und das Sie, – wie soll ich schreiben – mit den Füßen auf der Erde sind. Die meisten rennen an den armen Menschen, die es immer mehr gibt, ignorant vorbei, wenn möglich noch mit ausgefahrenen Ellenbogen. Ganz prima von Ihnen – Hut ab.
Alles Gute!
Dass dieser Mann vom Niederrhein nach Hamburg gefunden hat und dort geblieben ist, bestätigt meinen Eindruck, wonach die interessantesten Typen (im besten Sinne des Wortes) dort zu finden sind. Berlin kann wegen der Segmentierung in die verschiedenen Bezirke da einfach nicht mithalten.
Blöd nur, dass ich kein Astra-Bier im Keller habe. Muss mich heute Abend mit nem Duisburger Köpi begnügen. Prost.
Das nenne ich mal gute Werbung
a) für unseren Berufsstand und
b) für uns Berliner
Falls wir uns einmal zufällig (bei Gericht) treffen, lade ich Sie – sofern Sie möchten – auf ein gutes (Dosen-)Bier ein. Versprochen!
Diese Bericht ist hammermäßig! Bitte so weitermachen!
LG A.
Wie damals. Dennis auf der Strasse mit einem Bier…