Foto © Jürgen Schanz – FOTOLIA
1997 gewann Ullrich als erster und bisher einziger Deutscher die Tour de France.
Ob Jan Ullrich des Dopings überführt werden kann, steht noch lange nicht fest. Jan Ullrich durfte bei der letztjährigen Tour de France überraschend nicht für das T-Mobile-Team starten, da er in den dringenden Tatverdacht geraten war, sich mit Hilfe des spanischen Arztes Eufemiano Fuentes durch Blutdoping auf die Tour de France 2006 vorbereitet zu haben (lesenwert: Juracity). Für T-Mobile arbeitet Jan Ullrich jedenfalls zurzeit trotz laufender Verträge nicht mehr, berichtet Strafprozesse u.a. Ungereimtheiten. Fast spürbar ist in den laufenden Ermittlungen Ullrichs Entschluss, bis zum bitteren Ende zu dementieren.
“[...] Jedenfalls besteht kein Grund, an der Verteidigungslinie für Jan Ullrich irgend etwas zu ändern.” (Quelle: JanUllrich.de)
Doch die Beweislast gegen Jan Ullrich ist erdrückend. Jan Ullrich hat erst im Februar dieses Jahres eine Speichelprobe abgegeben. Die Speichelprobe war seit Juli 2006 fällig als damals die Blutkonserven bei Fuentes gefunden wurden. Ullrich hat auch nicht gerade die Vorgeschichte eines Saubermanns im weißen Anzug. Das Wortspiel vom Saubermann im weißen Anzug war mitveranwortlich für den Vergleich von Jan Ullrich mit Ben Johnson.
Ben Johnson 10 Jahre vor Ullrichs Toursieg

(Quelle: Wikipedia)
1987 in Rom stellte er im 100-Meter-Finale mit einer Zeit von 9,83 Sekunden einen neuen Weltrekord, der zuvor von Calvin Smith gehalten worden war, auf. Bei den Olympischen Spielen 1988 in Seoul sorgte er jedoch für einen der größten Skandale der Olympia-Geschichte: Als Weltmeister und Weltrekordhalter gewann er am 24. September das 100-Meter-Finale mit neuem Weltrekord in 9,79 Sekunden vor Carl Lewis aus den USA mit 9,92 Sekunden. Die obligatorische Urinprobe führte aber zwei Tage später zu einem positiven Dopingbefund. Aufgrund der enormen Muskelpartien Johnsons auf der Brust, rund um die Schultern und vor allem auf den Oberarmen hatten böswillige Kritiker schon seit längerem den Verdacht äußern lassen, dass der Kanadier ein Konsument muskelbildender Steroide sei. Die Goldmedaille wurde ihm daraufhin aberkannt und Carl Lewis zugesprochen. In der Urinprobe konnten deutliche Spuren von Stanolozol, einem synthetischen anabolen Steroid, nachgewiesen werden. Ohne Dopingnachweis wurden ihm auch der Titel von 1987 sowie beide Weltrekorde aberkannt, zudem verhängte man eine Startsperre von vier Jahren.
Nach seinem Comeback und einem erneutem Dopingbefund bei einem Rennen 1993 in Montreal wurde Johnson schließlich lebenslang gesperrt. Als Konsequenz versuchte sich Johnson später u.a. als Wide Receiver im American Football, hatte jedoch nur mäßigen Erfolg.
2003 machte er in Italien als Konditionstrainer des Fußballvereins AC Perugia erneut auf sich aufmerksam. Im Dezember 2006 macht Ben Johnson mit Vermutungen auf sich aufmerksam, sein damaliger Konkurrent Sprinter und Weitspringer Carl Lewis habe etwas mit seinem Dopingvergehen zu tun. Sport1.at zitiert Johnson mit “Ich will nicht zu viel sagen, aber: Er hatte damit zu tun”.
(Quelle: Wikipedia)
Jan Ullrich – Der weiße Ben Johnson?
Als Extasy im Blut von Jan Ullrich nachgewiesen wurde, dementierte Ullrich die freiwillige Einnahme von Drogen und ließ sich dahingehend ein, dass ein Unbekannter ihm die Pillen in einer Diskothek in Ostdeutschland untergejubelt habe. Als er mit seinem Porsche später alkoholisiert einen Unfall verursachte, nahm er reißaus statt sich den Behörden zu stellen. Schuld an seinen Miseren waren immer die anderen (dazu: NDR3). Nicht gerade Dinge, die von einem Leistungssportler und Tour de France-Sieger erwartet werden.
Seit dieser Woche steht für die zuständige Staatsanwaltschaft Bonn mit überwiegender Wahrscheinlichkeit fest, dass die 2006 beim spanischen Arzt Eufemiano Fuentes gefundenen Blutkonserven (auch) von Jan Ullrich stammen (Tagesspiegel). Der einstmals unumstrittene größte deutsche Radsportler Jan Ullrich beteuert weiter seine Unschuld und will die Sache juristisch durchfechten.
Das erinnert stark an das Nachtatverhalten von Ben Johnson.
Noch vor wenigen Monaten beteuerte Ben Johnson im Aktuellen Sportstudio auf ZDF seine Unschuld und machte lieber das System im Leistungssport für sein Versagen verantwortlich. Und mit Versagen meine ich, dass Ben Johnson wahrscheinlich nicht völlig ahnungslos gedopt hat. Ben Johnson wusste sicherlich wie die meisten anderen Leistungssportler auch, dass Höchstleistungen und Rekorde nur selten allein mittels des Körpers bewerkstelligt werden.
Das System im (Hoch-)Leistungsport ist krank.
Immer häufiger greifen Sportler zu illegalen Substanzen, um nicht den Anschluss an die Sp®itze zu verlieren. Solche Sportler sind unfair sich selbst und anderen gegenüber. Langfristig kann das Wettrüsten im Doping niemanden überzeugen. Selbst der blindeste Zuschauer wird irgendwann merken, dass es im Sport nicht im rechten Dingen zugeht und immer neue Rekorde der stillschweigend tolerierten Einnahme von Doping geschuldet ist.
Jeder einzelne Sportler, der im (Hochleistungs-)Sport auf den Einsatz von verbotenen Dopingmitteln verzichtet, ist ein Gewinn für die Gesellschaft.
Hierbei könnten die Verbände unterstützt durch Pharmakonzern helfen, indem möglicherweise einige harmlosere Mittel von den Dopinglisten gestrichen würden. Vor allem aber muss der industriellen Herstellung von Dopingmitteln schärfer begegnet werden. Sonst hört das doppelte Spiel niemals auf.
Letztlich hat es jeder einzelene Sportler selbst in der Hand, ob er in dem kranken (Doping-)System mitmischt oder es sein läßt und sich auf seine natürliche Kräfte verläßt.
An dieser Stelle hat Ben Johnson fast schon versagt. Jan Ullrich ist auf Weg, den schlechten von Ben Johnson vorgetrampelten Pfad nachzulaufen.











































