Totschlag in der Provinz

In Meinerzhagen – der Stadt, in der ich meine Jugend verbrachte – kam es letztes Jahr am 7. April zu einer schier unfassbaren Tat. Lesen Sie selbst den Bericht aus der Onlineausgabe der Meinerzhagener Zeitung:

Der Mann tritt plötzlich aus einem Gebüsch auf eine 14-jährige Schülerin zu. “Dann fing er an zu schreien und hat in die Hände geklatscht.” 14 Uhr: Einer Autofahrerin fällt im Mörikeweg der mit Tarnjacke und -hose bekleidete Mann auf, weil er “mit sich schimpfte”. 14.20 Uhr: Im Gespräch mit Anwohnern wird eine heute 30-jährige Postbotin auf “diesen unheimlichen Kerl” hingewiesen. 14.25 Uhr: Der Mann tritt auf die Postbotin zu, fordert: “Guck mich an!” Die Zustellerin ignoriert ihn. Dann läuft er mit ihrer Postkarre davon. Die Postbotin verfolgt ihn, es kommt zu einer Rangelei, der Mann tritt und schlägt die 30-Jährige. Anwohner rufen die Polizei. 14.30 Uhr: Der Mann geht aus einem Waldstück heraus auf zwei Meinerzhagenerinnen zu, die oberhalb der Kohlbergstraße ihre Hunde ausführen. Unter Tränen schildert eine heute 42-Jährige, wie der Mann sich erst vor ihnen hingehockt und wie ein Hund gebellt habe. Die Frauen gehen weiter; als der Mann ein Messer und ein Beil in die Hände nimmt, ergreifen sie die Flucht. Beide seien jedoch vom “zielstrebig” wirkenden Angeklagten eingeholt und niedergestochen worden. Während eine Frau sich trotz Stich in die Lunge noch zum nächsten Haus schleppt, verblutet ihre 37-jährige Freundin innerlich. Ein Messerstich hatte ihr Brustbein durchtrennt und das Herz verletzt. Der Tatverdächtige wurde kurz nach 17 Uhr, nach einem Angriff auf einen Jogger, bei Schürfelde festgenommen.

Verhandelt wird vor der Schwurgerichtskammer am Landgericht Hagen. Dort absolvierte ich meine Ausbildung als Rechtsreferendar.

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